Herzog-Albrecht-Kaserne

Im Jahr 1958, genauer gesagt am 22. September, rückten die ersten Bundeswehrsoldaten im Neuen Lager in Münsingen ein. Knapp 46 Jahre später wurde die Kaserne aufgelöst. Eine Gedenktafel am Eingang  zur Parksiedlung in der Herzog-Albrecht-Allee erinnert an das Militär.

Das Barackenlager war bereits 1915 vom Württembergischen Kriegsministerium auf dem Areal der heutigen Parksiedlung gebaut worden. Bis zum Ende des Ersten Weltkrieges und von 1935 bis 1945 diente es den Soldaten als Unterkunft. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden dort Flüchtlinge untergebracht, bevor sich Mitte der 1950er-Jahre einige ortsansässige Firmen niederließen.

Sie blieben nicht lange, da die Verträge bald wieder gekündigt wurden. Im Februar 1958 erhielt das Verteidigungsministerium das Gelände von der Stadt überschrieben. Sieben Monate später war es soweit. Münsingen wurde wieder Garnisonsstadt. Kommandeur Gottfried Tornau rückte am 22. September 1958 mit dem Panzerbataillon 310 ins Neue Lager ein, das nach kurzer Zeit die Kennzahl 303 erhielt. Zwei Wochen später präsentierten sich die 700 Soldaten vor dem Rathaus zum ersten Mal in der Öffentlichkeit.

Mit dabei waren die Männer des neuen Feldartilleriebataillons 295, die ebenfalls im Neuen Lager untergebracht waren. Die blieben nicht lange. Mitte Januar 1959 verließ der junge Verband die Alb Richtung Immendingen. Zwei Wochen später wurde die Kaserne bereits wieder mit neuen Soldaten aufgefüllt. Und zwar mit den Männern des Beobachtungsbataillons 270. Auch dieses Gastspiel war nur von kurzer Dauer. Ende 1959 zogen sie Richtung Großengstingen in die Eberhard-Finckh-Kaserne um.   

1961 fasste das Verteidigungsministerium den Entschluss, die baufälligen Baracken abzureißen und eine moderne Kaserne zu bauen. Offizielle Einweihung der umgerechnet rund 15 Millionen Euro teuren Neubauten war am 5. Dezember 1965. Seit diesem Tag hieß die militärische Anlage Herzog-Albrecht-Kaserne. In der 1960er-Jahren waren einige Rekruten in der Kaserne, wo denen man später noch viel hören sollte: So zum Beispiel der ehemalige Bundespräsident Horst Köhler, Schlagersänger Bernd Clüver, der ehemalige Tischtennis-Nationalspieler Torben Wosik und der einstige Generalinspekteur der Bundeswehr, Wolfgang Schneiderhan.

Sage und schreibe 40.000 Menschen strömten Mitte 1971 in die Kaserne, die einen „Tag der offenen Tür” veranstaltete. Hausherr war zu dieser Zeit das Panzerbataillon 304. Fünf Jahre später ging es eng in der Kaserne her. Neben „304” waren inzwischen noch das Panzerbataillon 283 und das Panzerartilleriebataillon 285 untergebracht. Mit 1200 Soldaten kam die militärische Anlage an die Grenzen ihrer Kapazität. Deshalb beschloss 1977 die Bundeswehr, die Kaserne um sechs Hektar zu vergrößern.

Völlig überraschend kam drei Jahre später der Befehl aus dem Verteidigungsministerium, dass das Panzerbataillon 304 im Jahr 1981 außer Dienst gestellt werde. Elf Jahre später traf „283” das gleiche Schicksal. Jenes Bataillon, das lange Zeit als eines der modernsten Panzerverbände des Heeres galt, da es Mitte der 1970er-Jahre mit dem kampfstärksten Panzer dieser Zeit, dem Leopard 1 A4, ausgestattet worden war.

Die meisten Panzersoldaten wechselten in das 1992 neu aufgestellte Fallschirmpanzerabwehrbataillon 283.Ihre Versetzung war ebenfalls nicht von langer Dauer. Am 19. September 1996 löste sich der sogenannte „Wiesel”-Verband bereits wieder auf. Jetzt war nur noch das rund 500 Mann starke Panzerartilleriebataillon 285 in der Herzog-Albrecht-Kaserne stationiert. Knapp acht Jahre später endete auch diese traditionsreiche Geschichte des Verbandes, da die Kaserne geschlossen wurde. Das letzte militärische Zeremoniell fand am 31. März 2004 an der Wache statt. An diesem Tag holten die restlichen 30 Soldaten zum letzten Mal die Bundesdienstflagge nieder.

Noch im selben Jahr übernahm die Stadt Münsingen das 22 Hektar große Gelände und ließ, außer der ehemaligen Bekleidungskammer, alle Gebäude und Hallen abreißen. Inzwischen stehen dort 190 Ein- und Zweifamilienhäuser. Neben der Zufahrt zur Parksiedlung gibt es fünf Steinkörbe, die an die Reihung der ehemaligen Unterkunftsgebäude hinweisen. In den Gabionen befindet sich Abbruchmaterial aus der Kaserne. Außerdem erinnern die Herzog-Albrecht-Allee und verschiedene Verbandswappen an die dort zwischen 1958 und 2004 stationierten Bataillone.



Die Geschichte der ehemaligen Kaserne, vorgetragen von Radio Andernach